In jüngerer Zeit stellt sich die Frage nach der komerziellen Nutzung von Social Web ähnlichen Diensten. Die Frage ist: Sind auch businessorientierte Plattformen wie XING Teil des social Web und können Sie somit (oder aus anderen Gründen) unter den Begriff Web 2.0 Anwendungen gerechnet werden? Das myPlaner.com-Team beantwortet diese Frage mit einem klaren "Jein".
Die menschliche Gesellschaft gliedert sich der Anthropologie (der Wissenschaft vom Menschen) zu Folge, immer in mehrere Sozialstrukturen, die nach ihrer Relevanz - ihrer Bedeutung - für das Individuum grob unterteilt werden können. Als wichtigster soziale Kreis in dem sich ein Mensch bewegt, fällt uns natürlich zunächst einmal die Familie als primäre Sozialsruktur ein. Die Familie weist den höchsten Grad an persönlicher Beteiligung auf, sie ist zeitintensiv und hat starke gesellschaftliche Bindungen. Unmittelbar nach der Familie bewegt sich der moderne Mensch in seinem engeren Freundeskreis. Hier hat er ebenso zeitlich intensive Verbindungen, die aber nicht mit der beinahe unzerbrechlichen Stabilität der Familie ausgestattet sind. Wir bezeichnen diese Gruppe von sozialen Netzwerken mithin als sekundäre Sozialsruktur. In weiterer Folge gibt es natürlich noch weitere soziale Räume, die aber nicht mehr von solch inniger Intimität wie die ersten beiden Arten von Kontakten, die ein Mensch knüpfen kann geprägt ist, wie etwa Ausbildungsstätte, Firma und in weiterer - entferntester - Folge auch offizielle Einrichtungen wie staatliche Ämer und dergleichen. Plattformen wie XING bewegen sich mit ihrem Angebot nun eigentlich auf der letzten - tertiären - Beziehungsebene des menschlichen Lebens. Es geht konkret darum, seine Networkingkontakte durch ein digitales Medium, die von den Entwicklern bereitgestellte Platform, zu erweitern und interessante Geschäftspartner kennenzulernen. In der Tat ein Feature, das gerade von Jungunternehmern gerne und gewinnbringend eingesetzt werden kann. Das Wertschöpfungspotential einer internationalen Plattform wie XING kann dabei einen enorm positiven Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg von Start Ups haben. Eines kann aber auch eine Plattform wie XING niemals ersetzen: eine seriöse eigene Einstellung, und ein gutes Produkt. Ist XING nun aber ein Angebot, das wir als social Web im engeren Sinne bezeichnen können? Ich meine, eine positive Antwort auf diese Frage liesse sich mittles der beschriebenen Sozialstrukturen auf jeden Fall argumentieren. Als "reine" Social Web Plattform im engeren Sinne würde ich XING aber trotzdem nicht wirklich bezeichnen, da andere Social Web Plattformen sich meist auf engeren sozialen Ebenen bewegen und somit auch einen deutlich höheren persönlichen Beteiligungsgrad am Leben der Community erzielen. XING und vergleichbare Angebote wirken hingegen meist eher kühl und (rein) geschäftlich.
Wie an früher Stelle bereits erwähnt, können wir das Web 2.0 im weiteren Sinne aber nicht auf das Social Web begrenzen. Auch eine generelle Neuorientierung im Userverhalten von Internetnutzern fällt unter den Titel "Web 2.0". Und hier schneidet XING durchaus gut ab. Neue Technologien wie PhP und MySQL finden in jedem Fall auch auf Xing Verwendung. Für die günstigste Verwendung von Ajax auf der Plattfrm würde ich meine Hand nicht ins Feuer legen, hier wäre noch einiges Verbesserungspotential klar gegeben. Auch die Sperrung vieler Funktionen für kostenfreie Standardaccounts lassen XING ein bischen den Charakter einer "Geldverdienplattform" auch für die Betreiberfirma annehmen - was durchaus nichts Schlechtes sein muß. Immerhin haben Sie mit dem Portal ein gutes Produkt vorgelegt, das von zahlreichen Nutzern empfohlen und intensiv genutzt wird. Ist Xing also Web 2.0 im weiteren Sinne: diese Frage kann nicht anders, als mit einem klaren "Ja" und tiefem Respekt gegenüber den Entwicklern beantwortet werden.
Haben Sie eine Andere Meinung zu XING und Web 2.0? In der Web 2.0 Gruppe im myPlaner diskutieren wir gerne mit Interessierten und Fachleuten zum Thema....
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